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Donnerstag, 28. April 2011

Äthiopien II - der Süden

Äthiopien II
26 Tage Äthiopien, 60.-85. Reisetag,  Fr. 25.02. bis Di. 22.03.2011
Mo. 14.03.2011, 18.Tag Äthiopien bis Di. 22.03.2011, 26.Tag Äthiopien

Lalibella nach Addis Abeba und dann durch den Süden Äthiopiens zur Grenze nach Kenia
Nach unseren ersten 18 Tagen unvergesslicher Erlebnisse in Nord- und Ostäthiopien sind wir gespannt was Zentral- und Südäthiopien zu bieten hat. Nach der Danakil-Depression-Tour mit Magdi und Alex fahren wir noch gemeinsam in einer aufregenden nächtlichen Schlammtortour nach Lalibella. Wir erwarten einen extrem touristischen Ort – sind aber positiv überrascht, dass es halb so schlimm ist und sind beeindruckt von den Felskirchen. Wir schauen uns alle der verschiedenen Kirchengruppen an und dürfen sogar an einer Messe teilnehmen.  Es geht sehr laut und impulsiv zu, die Hälfte der kleinen Kirche singt und trommelt. Wir verbringen nun schon viel mehr Zeit in Äthiopien als geplant und müssen daher ein paar Kilometer reißen und – obwohl es heftig zu regnen anfängt – fahren wir noch abends weiter und campen wild. Die Amharen sind weniger aufdringlich als die Afar, von daher stehen früh als wir aus dem Dachzelt klettern nur wenige Kinder und Erwachsene um unsere Leiter.


Nach einem weiteren Tag Fahrt durch Serpentinen bei Nebel, Sturzfluten und Regen kommen wir im deutlich kühleren Addis Abeba in Wim’s Holland House (N09°00.608’ E038°45.322, 60 Birr p.P.) an.
Wir bleiben 3 Nächte, da wir einiges in der Stadt erledigen müssen, wie das Visa bei der kenianischen Botschaft, Bargeld und die Comesa-Yellow-Card (Versicherung für alle weiteren afrikanischen Länder, ausgenommen Namibia, Botswana und Südafrika) besorgen, Vorräte an Lebensmittel aufstocken, unser Empfehlungsschreiben bei der Dt. Botschaft zahlen und den DJ in einer Werkstatt checken lassen. Dieses Vorhaben dauert länger und kostet mehr als gedacht. Wir finden auf Empfehlung von Wim eine kompetente Toyota Werkstatt (GMC Toyota, Koord. N9 01.682 E38 46.499) – so eine strukturierte Werkstatt sind wir gar nicht mehr gewöhnt. Wir bleiben den ganzen Tag bei unserem Auto während sie erst alles putzen, den Motor reinigen und anfangen die Räder zu demontieren und das Auto zu checken. Unsere Bremsen sind durch, alle Lichter durchgebrannt und ein paar andere Kleinigkeiten. Alles halb so wild… wir lassen es richten und können jetzt wieder unbesorgt auf die schlimmsten Afrika-Pisten-Kilometer zu fahren. Wir lernen bei Wim’s einige Overlander treffen und beschließen mit Lance (Südafrikaner) & Maurice (Holländer) im Landrover und Lana (Usbekin) & Guillaume (Franzose) im Landcruiser weiter zu fahren um gemeinsam die Strecke von Omorate über den Lake Turkana in Kenia einzureisen. Angeblich sollen das die schlimmsten 500 Pistenkilometer in ganz Afrika sein… und wir kommen genau zu Regenzeitstart… so können wir uns im Ernstfall gegenseitig helfen.
Erst einmal fahren wir aber mit unseren drei Fahrzeugen auf belebter Teerstraße zum Lake Langano. Aufgrund des hohen Mineral- und Sodagehaltes gilt dieser See als Bilharziose-frei und Krokodile oder Hippos ward wohl auch nicht gesehen – also auf ins warme Nass! Das wilde Karkaro Camp (160 Birr pro Pkw) liegt wirklich idyllisch und wir genießen einen 26°C warmen Sommertag am See.  Wir bitten einheimische Fischer uns frischen Fisch zu angeln. Gesagt getan… drei Stunden später kommen sie mit dem Boot zurück und präsentieren uns 10 Talapia und eine Schubkarre voll mit Feuerholz! Die Fische müssen noch ausgenommen werden und nachdem sie aufgehört haben zu zappeln, bereiten wir die Fische gemeinsam zu, machen ein großes Lagerfeuer wo wir den Fisch grillen, trinken einige Sun-Downer und genießen dieses fantastischen Platz am See!

Am nächsten Tag (Sa.19.03.) schleppen wir erst mal dan Landcruiser, der im nassen Sand am See feststeckt ab und es geht gemeinsam über das Rastafaria-Dorf Shashamene nach Arba Minch an den Chamo-See im dichtbewachsenen Nechisar Nationalpark. Auf der Fahrt kommen uns hunderte von Eselkarren und Menschenströme entgegen, die alle zum Markt eilen. Die geteerten Straßen gehen wieder in Pisten und Schlaglochstraßen über, die Landschaft wird grüner… viele Bananenplantagen und immer mehr „wilde“ Tiere, die uns vors Auto laufen. Die Jungs im Landrover müssen mehrmals stoppen um Ihre Stoßdämpfergummis zu richten … unsere zwei Toyotas rollen problemlos über die Piste.. Landrover eben! ;-)  bei diesen Reparaturstopps umringen uns in wenigen Sekunden gleich wieder viele Kindern und Erwachsene. Das Betteln wird immer penetranter und geht uns so langsam auf den Nerv! Man kann wirklich nirgends stehen bleiben um auch nur 10 Sekunden in Ruhe zu pinkeln… die hupfen aus jedem Busch.. auch wenn man glaubt ein menschleeres Gebiet gefunden zu haben. Und schreien dann „you you… give me money… give me caramel… pen… usw. Unglaublich!

In Arba-Minch angekommen organisieren wir uns eine Bootsfahrt auf dem Chamo-See zum Krokodilmarkt (1-5 Pers. pro Boot 580 Birr inkl. Guide und Kapitän). Endlich… die ersten Hippos und Krokodile auf unserer Afrikareise! J vorbei an riesigen Krokodilen die sich am Ufer in der Sonne aalen, etlichen Pelikane und nicht wirklich freundlich schauenden Hippos, die unser Boot beäugen. Wir kochen gemeinsam im dichten Wald des Nechisar Nationalparks (20 Birr pro Pkw) und schlafen bei lauten Tiergeräuschen und vielen wilden Affen um uns herum in unseren Dachzelten ein.
Wir fahren relativ schnell weiter gen Süden ins Omo-Valley durch Konso, Woito und Key-After nach Jinka (233 km) und genießen dort ab mittags den sonnigen Tag auf dem Jinka Rocky Campsite (50 Birr p.P.) bei einer Runde Volleyball, kalten Duschen, Lagerfeuer und selbstgekochtem Hühnchen-Curry. Hier ist es gleich einige Grad heißer als im Norden. Auf der Fahrt haben wir eindrückliche Begegnungen mit verschiedenen Stämmen. Die Einheimischen tragen immer weniger Kleidung, sind mit bunten Perlenketten behangen, die Ohrlöcher sind meist richtig schwer „beladen“, so dass große Ohrlöcher durch die man schauen kann zu erkennen sind, manche Frauen tragen eine Art seltsamer bunter Petitcôte-Röcke, die Frisuren werden immer wilder und kreativer, die „Krieger“ des Ari-Stamms tragen Speere und phallischen Stirnschmuck und zeigen hübsche muskulöse freie Oberkörper, die ebenfalls mit Perlenketten und anderen „Behangzeugs“ geschmückt sind, die Kinder machen am Straßenrand auf sich aufmerksam, indem sie wild mit den Beinen klappern, andere machen Handstand und wackeln mit den Füßen . Das sieht so lustig aus!
Wir sechs überlegen recht lang ob wir zu den Mursis wollen oder nicht. Wir haben so viele – meist schlechte – Geschichten über diesen Stamm der Tellerlippenfrauen gehört und sind unsicher. Angeblich sind die Mursi-Stämme geldgierig, wollen Eintritt, Geld für Fotos und sind ab mittags besoffen, da sie dann das eingenommene Geld der Touristen versaufen. Doch unsere Neugier, uns selbst ein Bild davon zu machen treibt uns in den Mago Nationalpark (Eintritt 100 Birr p.P., 30 Birr p.Pkw). Am Eingang des Parks geht die Diskutiererei mit dem Militär wieder los… wir müssen einen bewaffneten Scout mitnehmen… doch keiner von uns hat Interesse wieder einen ins Auto zu setzen. Sie lassen sich nicht ausreden, dass wir ohne Scout fahren können. Also packt Guillaume ihn kurzerhand aufs Dach. Wir lachen alle köstlich und die Äthiopier finden unseren Einfallsreichtum auch sehr lustig (sie wissen ja nicht, dass wir diesen Freiluftplatz (Airbus) gewählt haben, weil wir keinen Stinkebolz in unseren Autos haben wollen). Noch 65 Birr Lohn für den Knaben und dann kanns also losgehen. Im Park meistern wir unsere erste kleine Flussdurchquerung… naja war wohl eher eine riesige Pfütze vom letzten Regen… aber es war dennoch aufregend den DJ auf dieser Reise das erste mal bis zur Motorhaube durchs Wasser zu fahren. J wir fahren an einigen bewaffneten Kriegern der Ari- und Mursi-Stämme vorbei. Wir dachten erst wir sehen nicht richtig… aber die waren völlig nackt und mit weiß-roten Mustern bemalt. Ihr wertvollstes Stück genoss dabei die auffälligste Bemalung. „Unsere“ Jungs sind fast neidisch wie die hier bestückt sind.  Auch manche Kinder waren wie Skelette bemalt und liefen auf riesigen selbstgebauten Stelzen.

HIer am Omo-Fluss haben sich diverse Völkerschaften erhalten, bei denen die Jagd und jährliche rituelle Kriegszüge (häufig auch durch festliche Scheinkämpfe mit Stöcken ersetzt) noch auf der Tagesordnung stehen. Eine besondere Bedeutung besitzt für diese Ethnien die Verschönerung des Körpers. Suma und Karo malen sich mit verschiedenen Tonerden und Pflanzenpigmenten unterschiedliche, teils symbolisch, teils rein dekorative Muster auf den Leib. Galeb und Karo formen ihr Haar mit rotem Ton zu fantastischen Kopfputzen, die Frauen der Hamer gestalten ihre Haare mit Butter und Lehm. Die Mursis sind bekannt für ein System von Schmucknarben, an denen man den Stand in der Gesellschaft erkennt. Besonders auffällig sind die Ohr- und Lippenpflöcke bzw. –teller, die von der Pubertät an die Unterlippe durch das Einsetzen von immer größeren Pflöcken so weit dehnen, dass schließlich eine Tonscheibe von ca. 15 cm Durchmesser in die Unterlippe eingesetzt werden kann (Tellerlippenfrauen). Dafür müssen den Frauen auch die Schneidezähne ausgebrochen werden. Diese Scheiben sind ein Schönheitszeichen, je größer die Teller, desto mehr Ansehen genießt diese Frau. Gruselig für unsereins!
So kommen wir durch viele Dörfer und schließlich halten wir vor einem Mursi-Dorf. Schon kommt das Stammoberhaupt auf uns zu und gibt uns zu verstehen, dass wir pro Person Eintritt (100 Birr) zahlen müssen. Jesper und Maurice ist es das nicht wert und so beschließen wir, dass pro Fahrzeug einer ins Auto zurück und nur einer „pro Team“ zu den Mursis geht. Damit gibt der „Häuptling“ sich aber nicht zufrieden, schließlich stehen wir mit unseren Autos auf „seinem Land“ und sollen zahlen. Wir bleiben hartnäckig. Alle Mitglieder dieses Dorfer – einer auffälliger als der andere „gekleidet“, bemalt und behangen - haben uns so langsam umringt und alle zerren an uns. Wir sollen Fotos machen, aber pro Foto pro Mursi-Mitglied sollen wir zahlen. Es gibt sogar eine Art Rangordnung  - Kinder 2 Birr, Erwachsene Frauen und Männer 3 Birr und Frauen mit Babys 4 Birr. Das ist echt verrückt, was da passiert. Uns vergeht die Lust uns auf dieses Volk einzulassen. Das hat nichts Ursprüngliches mehr, sonder ist extrem kommerziell! Wir Touristen haben dieses Volk versaut und letztlich unglücklich und fertig gemacht. Uns gefällt nicht was hier passiert und beschließen nach wenigen Minuten den Rückzug. Das gefällt den Mursis nicht… sie zerren und hängen sich an uns… das haben wir noch nie erlebt. Da Jesper und Maurice ja keinen Eintritt zahlen wollten (sie waren auch nicht mal am Dorfeingang gestanden und wir sehen auch gar nicht ein zu zahlen) versuchen die männlichen Mitglieder des Stammes unsere Autos am Wegfahren zu hindern. Sie setzen sich auf die Motorhaube, versuchen, die Autos an der Bullbar festzuhalten, hängen sich krampfhaft durchs offene Fenster an Maurice Arm… es gleicht fast einer Flucht, die wir antreten müssen. Wir fühlen uns „fast bedroht“ und die Mursis wollen uns nicht kampflos davon fahren lassen, schließlich wird das sonst ein Nachmittag ohne Alkohol. Doch unsere Autos sind stärker und wir fahren mit quietschenden Reifen davon, obwohl noch immer Mursis an allen Ecken der Fahrzeuge hängen. 
Im Nachhinein wären wir lieber nicht hingefahren. Für die Mursis wäre es das Beste, wenn Sie niemals von Touristen „entdeckt“ worden wären, nie Geld gesehen hätten. Dann würden sie immer noch ihr glückliches Dorf- und Kriegerleben mit all den Sitten und Riten leben ohne geldgierig und anschließend besoffen und unglücklich zu sein und von Touristen angestarrt zu werden. Das hat echt was von Zoo und ist verdammt traurig.


Nichts wie weg von den Mursi-Dörfern und auf durch das Dickicht des Mago Nationalparks. Der Landrover von Lance und Maurice nutzt die normale Schotterpiste um nach Turmi zu kommen (Landrover müssen eben mehr geschont werden anstatt Offroadpisten zu fahren – kultig aber nicht afrika-tauglich ;-) während hingegen unsere zwei Landcruiser den wilden Weg durch den Park wählen. Hier ist es im wahrsten Sinne wild. Schon beim Parkeintritt wünschen uns die Rancher viel Glück! Was das wohl zu bedeuten hat?
Wir erkennen bald, der Regen der letzten Tage hat seine Spuren hinterlassen und so müssen wir häufig Schlammpassagen und Flussbettdurchquerungen passieren. Oft steigen Lana und Tanja aus um das Terrain und die schwierigen Stücke vorher abzugehen. Ohne GPS wären wir komplett aufgeschmissen gewesen, denn hier hat sich schon lange kein Auto mehr durchgeschlagen.  Die Vegetation ist extrem dicht und verwuchert, von Piste kann nicht die Rede sein, so kämpft sich unser DJ durch Dornengebüsche und hat sich leider auch ganz viele afrikanische Schmucknarben zugezogen. ;-)


Nach der langen Fahrt durch die Hitze des Parks (ca. 40 Grad), passieren wir noch ein paar Dörfer mit vielen nackigen Kindern des Volkes Karo, sehen etliche 4-5 Meterhohe Termitenhügel und kommen völlig erschöpft kurz vor Dämmerung in Turmi an, wo die Landrover-Crew schon mit kalten Bier auf uns wartet! Da stört es uns beim Duschen gar nicht, dass wir die Duschkabine mit viel Krabbelgetier, Spinnen und Mücken teilen müssen.
Auch beim Pasta kochen müssen wir aufpassen, dass nicht eine ungewollte Fleischbeilage in den Topf fliegt!. Es lebt! 

An unserem letzten Äthiopientag (Tag 26, Di. 22.03) fahren wir durch Turmi an all den lustig aussehenden Hamer-Stämmen vorbei nach Omorate, wo wir unsere Pässe offiziell ausstempeln lassen. Das Carnet kann man hier aber nicht ausstempeln, da dieser Grenzübergang (am Turkana-See) kein wirklicher ist. Es ist drückend schwül und 35°C heiß, so dass wir unser Vorhaben die letzten äthiopischen Birr in ein paar Bier für unsere nächste Etappe zu investieren, nach vergeblichen 2-Stunden-Suche, streichen. Lance und Maurice richten mal wieder den Stoßdämpfergummi und dann geht’s los auf die angeblich schlechteste Piste Afrikas, die es zu Regenzeit wohl nicht zu passieren gilt… 2 Stunden Offroad-Piste Richtung Turkana-See nach Kenia.

Wir durchfahren einige trockene Flussbette und können uns gut vorstellen, dass bei Regen die Durchquerung sehr schwer oder gar unmöglich sein könnte. Doch wir haben großes Glück mit dem Wetter… zum Bedauern von Jesper. Er hatte sich schon auf eine Schlammschlacht gefreut und nun bleibt das Autobergen und schweißnasses dreckiges Ausgraben der Autos aus….  wir kommen an einigen Dörfern vorbei, wo uns alle Kinder winken und hinterher rennen.  Das kennen wir bereits gut! 5 km vor der geografischen Grenze zu Kenia wundern wir uns allerdings, warum uns auch bewaffnete Erwachsene hinterherlaufen. Aber nach 4 Wochen Äthiopien sind wir schon etwas abgestumpft und gewohnt, dass uns viele hinterherlaufen, uns stoppen und dann Geld wollen. Somit geben Lance und Maurice als erstes Auto einfach Gas und wir hinterher… vorbei zwischen den Rundhütten, weiter durch die Wüste… und sehen im Rückspiegel Lana und Guillaume bei den Hütten halten. Uns rennen weiterhin bewaffnete bunt angezogene Männer in Jogginghosen hinterher. Im Nachhinein – als wir doch zurückfahren um zu schauen was mit den beiden ist – stellt sich eine der Hütten als Polizeistation heraus, die für uns nicht als Polizeistation erkenntlich war, da das Hinweisschild auf amharisch für uns schlecht zu lesen ist und die Leute einfach nicht wie Polizisten aussahen. Der Polizeichef ist wegen unseres Weiterfahrens extrem schlecht gelaunt und lässt uns in einer Hütte erst mal schmoren. Nachdem wir uns zum zigmale Entschuldigen und erklären „wir können unsere Vergehen gerne 10 Jahre hier im Dorf absitzen“ erhellt sich die Stimmung etwas im Raum. Und als Lance ihm per Schulterschlag (hier schlagen sich die Äthiopier zur Begrüßung immer die rechten Schultern aneinander) um Entschuldigung bittet, entzerrt sich die Situation und wir können nach unserer Passkontrolle mit großem Gelächter weiterfahren. Wir sehen auf dem GPS dass wir nach 5 Km Äthiopien verlassen und nun in Kenia sind (Grenzposten vergeblich).

Fazit Äthiopien:
Wetter und Landschaft:
im Norden sind wir zu einer sehr heißen Zeit und obwohl wir uns wochenlang auf einer Höhe zwischen 2.000 und 4.000 Höhenmeter befinden, ist es sehr warm. Durch die vielen Pässe und ständigen Höhenunterschiede schwanken die Temperaturen zwischen 18 und 35°C. In der Danakil-Ebene und im Süden ist es dann noch heißer (niedrigere Höhenlage) und wir erreichen Temperaturen bis zu tropischen heißen 40°C. Die extrem unterschiedliche und abwechslungsreiche Landschaft hat uns sehr beeindruckt. Das Land ist sehr fruchtbar. Der Ostafrikanische Grabenbruch mit den Vulkanen und Seen zieht sich durchs ganze Land.

Land und Leute: alle noch so kleinen Kinder müssen mit anpacken und schleppen echt schwer. Wir sehen sogar 3–Jährige mit 1-Jährigen Kindern auf dem Rücken. In jedem Dorf sind etliche Schulen und Frischwasserbrunnen. Überall laufen Kinder in Schuluniformen oder schleppen gelbe Wasserkanister.
Alle Kinder haben leider auch gelernt, dass „weiß sein“ gleich „reich sein“ bedeutet und alle Weiße geben einem was. Dementsprechend halten alle Kinder die Hand auf und schreien lautstark „you you, give me…pen, birr, money, plastic, caramel…“ und rennen neben dem Auto her.  Es wird unglaublich viel gebettelt und für alles wird Geld verlangt (selbst als wir an einem öffentlichen Brunnen unser Wasser auffüllen wollen). Häufig schreien die Kinder „Heiland Heiland“. Mei… wir sind zwar weiß aber der Heiland dann auch nicht! ;-) wir erinnern uns, dass Heiland eine Wassermarke ist. Die Kinder wollen somit Plastikwasserflaschen… die können sie entweder zweckentfremden oder für ein paar Birr weiterverkaufen.
Man schwankt hier im Land häufig zwischen Mitleid und Verärgerung  und kämpft mit einem inneren Zwiespalt. Kann man helfen oder nicht?! Das ständige Handaufhalten ist letztlich das erlernte Verhalten, das durch alle Hilfsorganisationen oder Touristen die ihr Gewissen erleichtern wollen und großzügig Kugelschreiber und Karamell sowie Geld verteilen, überhaupt erst auftreten konnte. Wir glauben nicht, dass das dem Land immer nur Gutes bringt. Die Leute verlernen das Arbeiten und verlassen sich darauf alles von „weißen“ geschenkt zu bekommen oder mit Betteln das Leben zu bestreiten. Äthiopien ist landschaftlich gesehen für uns das (bis jetzt) absolute Highlight, nur wissen die Leute dieses fruchtbare Land nicht zu nutzen.
Wir hören viele Horrorgeschichten mit steinwerfenden Kindern und sind anfangs sehr besorgt, dass uns ein Stein in eine Scheibe knallt. Nach 4 Wochen Äthiopien konnten wir uns selbst überzeugen. Es gibt sie, aber man sollte sich nicht verrückt machen. Die wenigsten schmeißen Steine, sondern winken einem zu. So werden wir nur einmal richtig getroffen – ohne großen Schaden.
 Statistik: in Äthiopien gefahren 3.931 km, gesamt gefahren 15.837 km, Dieselkosten in Äthiopien 14Birr/Liter (ca.0,50 EUR/Liter)

Donnerstag, 7. April 2011

Äthiopien Teil I - der Norden und Osten

Nordafrika – Äthiopien
26 Tage Äthiopien, 60.-85. Reisetag,  Fr. 25.02. bis Di. 22.03.2011
Grenze Gallabat/Sudan - Metemma/Äthiopien bis nach Gonder(Äthiopien: +2 Std zu MEZ, Währung Äthiopischer Birr (ETB) > 1 EUR = ca. 22,30 ETB, 1 USD = 18 ETB)
Bei 45°C im Schatten und noch von der Ausreise aus dem Sudan ermüdet, fahren wir nun also ein paar Meter weiter nach Metemma  in Äthiopien um das Einreiseprozedere hier zu erledigen. Wir müssen bis 15 Uhr warten… ist mal wieder Mittagspause! ;-) bei der Immigrations Pass einstempeln lassen (Visa in Khartoum für 20 USD p.P. besorgt), dann zum Customs und das Carnet stempeln (10 USD) und Zollerklärung unserer Wertgegenstände machen. Glücklicherweise haben wir das Empfehlungsschreiben der Dt. Botschaft von Addis Abeba ausgedruckt dabei… ohne das kommt man hier nicht weiter. Die setzen einen in ein Taxi und man muss mehrere Stunden dieses Dokument beschaffen, wenn man es nicht hat. Der Zoll und die Polizei kontrollieren noch unseren DJ und wollen unsere Chassis-Nummer und die Motorenblocknummer prüfen. Wir zeigen ganz brav die Chassis-Nummer, nur unsere Motorblocknummer… wo war die noch gleich? Nachdem wir zu viert unter der Motorhaube liegen und sie nicht finden, will er uns nicht einreisen lassen… es könnte ja ein falscher Motor sein… alles klar… nach langem Bequatschen in der brütenden Hitze, heißt es dann doch nach 1 Stunde Einreiseprozedere – Willkommen und gute Fahrt in Äthiopien! J
Schon bei den ersten Metern Fahrt fällt uns ein Riesenunterschied zum Sudan auf… hier in Äthiopien laufen alle Einwohner… immer und egal wohin…Hauptsache laufen.. wir fragen uns „wo laufen die alle hin?“ so viel gibt es hier doch nicht – ganze Volkswanderungen beobachten wir. Auch die Landschaft ist wie ausgewechselt. Vom ebenen kargen Sudan starten wir in 700 m und schrauben uns ratzfatz auf über 2.000 Höhenmeter. Eine ganz andere Landschaft, grüner, mehr Bäume, Berge; die Rundhütten aus dem Sudan verändert sich jetzt in rechteckige einfache Hütten, gebaut aus Ästen und mit Wellblechdach gedeckt; manche Hütten sind teilweise noch mit Schlamm und Lehm verkleidet. Die Hütten stehen immer direkt an der Straße, so dass vorbeifahrende Autos alles richtig einstauben;  wir können wieder Straßenschilder lesen… Frauen sind nicht mehr verschleiert, wieder mehr Kirchen und weniger Moscheen. Zudem fällt uns auf, dass es hier kurz vor Dörfern oder Städten keinen Müll gibt – im Vergleich zu allen Länder vorher, wo die Plastiktüten am Straßenrand eine Stadt angekündigt haben. Hier in Äthiopien wird so ziemlich jeder Abfall verwertet; es ist zwar unglaublich einfach und staubig, aber nie dreckig oder vermüllt. Es gibt viele Felder, das Land scheint unglaublich fruchtbar zu sein. Überall sind Kinder – und hier sehen wir mal wieder wie gut es Kinder bei uns zuhause haben – die können noch Kinder sein. Hier sehen wir ständig Burschen, die Vieh hüten oder am Acker mithelfen, kleine Mädchen, die schon riesige Bündel Holz oder Wasserkanister auf dem Kopf von A nach B lange Strecken schleppen. Jedes Kind hier arbeitet.
Unser erstes Ziel ist Gonder. Auf dem Weg dahin (gute Teerstraße) erleben wir das klassische Straßenbild in Äthiopien. Auf der Straße sind wir, neben ein paar wenigen LKWs, das einzige Privatfahrzeug. Der normale Äthiopier hat kein Auto. Neben der Straße und auf der Straße laufen hunderte von Menschen. Die Männer haben alle ein weißes dickes Tuch als Umhang umgeschmissen und tragen fast alle einen Stock (manche ein Gewehr) bei sich, den sie meist  verschränkt mit den Armen über die Schultern tragen. Die Frauen balancieren alle schwere Lasten, wie Wasserkanister, Holz oder Lebensmittelsäcke auf dem Kopf und als Sonnenschutz dient meist dann noch ein Regenschirm. Zwischen all den vielen Leuten laufen dann planlose und verwirrte Kühe, Esel, Schafe und Ziegen umher. Wir taufen kurzerhand unentschiedenes Vieh, das nicht weiß ob es stehen bleiben, doch weiter laufen oder drehen will „UV“. Es ist leichter „Achtung UV von links“ zu brüllen als immer zu erklären, dass ein Vieh noch nicht weiß wo es hin will und gebremst werden muss. Es ist ganz schön wild hier… ständig muss man bremsen wegen dummen Eseln, unentschiedenen Rindern oder schlechtsehenden Äthiopiern, die nicht nach dem Verkehr (der ja kaum vorhanden ist) schauen. Es gibt so gut wie keine Motorräder oder Fahrräder hier. Das ist schon eine Seltenheit. Wenn, dann ist das Fortbewegungsmittel ein Esel oder Eselkarren. In etwas größeren Städten sind es dann die TukTuks, die die Leute transportieren. Nach schneller Fahrt kommen wir vor Sonnenuntergang in Gonder an, parken im Hof der Belegaz Pension (75 Birr für 2 Pers.), gönnen uns das erste typische äthiopisches Essen- Injera, ein Sauerbrotfladen mit verschiedenen Gemüse-Beilagen -  und genießen das erste Bier nach Enthaltsamkeit im Sudan in einem Einheimischen- Restaurant.

Gonder nach Gorgora am Tana-See und weiter nach Debark (Norden Äthiopiens: Amhara und Tigray)

Wir wollen am Samstag (26.02.) in Gondar unseren Blog mal wieder aktualisieren, aber das Internet ist unglaublich langsam… wir bekommen nicht mal unsere Seite auf. Somit müsst ihr euch mit unseren letzten Geschichten noch gedulden. Wir genießen super leckeren Mango-Saft (bekommt man hier überall, für ca. 30 Cent) und dann wollen wir auf dem Markt Gemüse kaufen und erleben, wie die Äthiopier einen 10fachen Preis von Touristen verlangen. wir werden von einem Einheimischen zum Markt gelotst, doch erweist sich das als eine absolute Sackgasse. Wir stehen mit unserem DJ mitten auf dem belebten Samstagsmarkt, umgeben von Gemüseständen, gackernden Hähnen, Kleidungverkäufern, tausenden von Leuten und hinter und vor uns werden Stände weggeschoben, um uns Platz zu machen. Es ist saumäßig eng, wir wollen nur noch irgendwie hier raus… überall um uns herum sind hunderte von Ständen. Das ist mal wieder ein Erlebnis! J Nach 30 langen Minuten finden wir einen Ausgang aus diesem Gewirr und unser DJ fährt wieder auf weniger belebten Straße weiter die Schotterstraße 1,5 Std. nach Gorgora an den Tana-See zum Tim und Kim’s Village (45 Birr p.P.). Hier ist es wirklich sehr idyllisch und wir gönnen uns zwei Tage Ruhe. Naja.. richtig Ruhe geben wir natürlich nicht. ;-) Wir lesen uns in Äthiopien Reiseführer ein, machen eine Wanderung durch den „Dornenbusch“ mit Rundumblick auf den See, abends kochen Tim und Kim sehr lecker und wir unterhalten uns über deren Projekt hier, schauen lang in den grandiosen Sternenhimmel und testen mal wieder die tolle Sternenkarte (Danke Heidi!)! Die Tierwelt wird so langsam etwas wilder. Die ersten Paviane kommen zum Camp, viele tolle bunte Vögel, Pelikane und Skorpione.

Wir sind neugierig auf Äthiopien und fahren am Montag schon weiter zurück nach Gonder, um das Chamelot Äthiopiens – den Gemp – anzuschauen. Wirklich hübsche Burgen mitten in der Stadt (Eintritt 100 Birr pro Pers.). wir gönnen uns noch eine Injera und Mangosaft, genießen den Ausblick auf die Stadt vom Hotel Goha, das hoch oben auf einem Hügel liegt und beschließen gleich die Piste nach Debark zu nehmen. Hier wird zwar von Chinesen ein Straßenbauprojekt geleitet, aber derzeit bestehen die 100 km von Gonder nach Debark nur aus Schotter und staubtrockenen Sand und Erde. Man fährt die Passstraße zwischen tollen Landschaften, Schluchten und Bergen entlang… ständig gestoppt von Umleitungen oder baggernden Maschinen. Die Fahrt ist staubig und anstrengend… besonders wenn ein Laster vor einem fährt und man nicht überholen kann…. Eine riesige Staubwolke lässt einen nur erahnen, dass es links oder rechts steil nach unten geht…. Mehr als Staub sieht man nicht. J nach 3 Stunden (andere brauchen meist 4 Std.) kommen wir im noch staubigeren Debark an. Kaum hält man in der Stadt, wird man von Menschenmassen umringt. Es ist nach wie vor eine Sensation wenn ein Auto die Stadt erreicht. Aber, dass einen immer 20 Kinder anstarren und alle betteln, daran müssen wir uns erst noch gewöhnen. Wir stellen uns in den Hof des Simeon Park Hotels und treffen zwei Österreicher (Heinz) mit denen wir essen gehen.

Debark zum Simien-Mountains Nationalpark
Am nächsten Tag (Di. 29.02.) organisieren wir uns selbst eine 4tägige Wandertour in den Simien-Mountains. Wir brauchen wohl einen Guide und bewaffneten Sout und lassen uns auch gleich noch eine Köchin aufschwatzen. Wir kaufen mit Shasheme – unserer Köchin – auf dem Markt unglaublich günstig für 5 Tage und 5 Personen ein (ein Sack mit 12 kilo Gemüse für gerade mal 68 Birr, ca. 3 EUR), dann noch zum „Supermarkt“, eine Bretterbude (ca. 3 Quadratmeter), von außen würde man nicht erahnen, was der Verkäufer in seinen Regalen alles so bunkert. Zwar teuer und verstaubt, aber echt unglaublich was wir hier alles bekommen. Und dann heißt es zu fünft in unser Auto einsteigen, das eigentlich nur zwei Sitzplätze hat, um zum Simien-Nationalpark zu kommen. Es wird kuschelig und dass alle nicht so lecker riechen steigert das Wohlbefinden. ;-) Wir fahren in den Nationalpark und unser Guide Abeba zeigt uns gleich eine große Gruppe der Dschelada-Paviane; die ernähren sich ausschließlich von Gras und sind hier endemisch. Man nennt sie auch Blutbrustaffen, da paarungswillige Weibchen wohl eine rote Brust bekommen. Es geht hoch bis auf 3.150 m und wir übernachten am Sankaber Camp. Shasheme kocht wirklich sehr gut - wenn auch Portionen für eine ganze Fußballmannschaft; haben ja nur wir bezahlt ;-)

Am Mittwoch werden die Maultiere mit unseren Lebensmitteln und Schlafsachen beladen und los geht unsere  Wanderung durch die Simien-Mountains. Äthiopien wir nicht umsonst Dach Afrikas genannt - viele zwischen 2.000 und 4.430 m gelegene Hochplateaus wechseln sich mit steilabfallenden Schluchten ab, schöne Landschaft, grandiose Aussichten, immer wieder bergauf und bergab, alles ist brottrocken und staubig. Wir machen eine Mittagspause an einem Wasserfall, beobachten wieder viele im Staub buddelnde Affen, die nach den letzten Graswurzeln suchen, passieren ein ursprüngliches Dorf und kommen am Abend im Gich Camp an. Hier auf über 3.600 m Höhe verändert sich die Landschaft zunehmend: viele Riesen-Lobelien, die nur in einer Höhe von über 3.500 m vorkommen. Wir lernen im Camp zwei Reisende kennen, die uns von der Danakil-Ebene vorschwärmen… bislang hatten wir davon noch nicht viel gehört, aber es scheint der absolute Wahnsinn zu sein… das sollten wir uns wohl anschauen. Nach dem leckeren und üppigen Essen fallen wir in eine Fressnarkose direkt – dreckig und staubig wie wir sind - in unser Zelt! Hier oben ist es richtig kalt, da will man freiwillig nach Sonnenuntergang nicht draußen sitzen.

Wir wandern am Donnerstag Morgen früh zum spektakulären Aussichtspunkt Immet Gogo auf über 3.900 m und entdecken weitere selten gewordene Spezies der endemischen Flora und Fauna der afrikanischen Gebirgsregion. Wir sehen Lämmergeier, den Simien-Fuchs, Klippspringer und den Walia Ibex, der nachts ganz nah an unser Zelt kommt. Es geht dann wieder runter und wieder hoch, um dann am Abend im Chemnek Camp anzukommen.

Am nächsten Tag (Fr. 03.03.) wandern wir dann noch zum letzten Gipfel unserer Simien-Mountain-Tour – dem Wahit (4.230 m hoch), um uns für den Mt. Kenia bisl zu trainieren. So langsam merkt man die Höhenluft… wir haben keine Kopfschmerzen, aber gehen deutlich langsamer den Berg hoch. Nach dem Abstieg geht es relativ schnell wieder runter zum Chemnek Camp, vorbei am Sankaber Camp und mit dem Auto und unseren drei Begleitern dann zurück nach Debark. Wir sind froh die drei loszuwerden und endlich wieder allein im Auto zu sein und die frische Luft zu genießen. J so eingepfercht im DJ ist keine Fahrt ein Spaß. Der Simeon-Nationalpark ist auf jeden Fall einen Besuch wert, obwohl wir unsere 4tägige Wandertour beim nächsten mal anders planen würden. Da es noch hell ist fahren wir 3,5 Std. weiter auf den Weg Richtung Axum. Wir passieren den Wolke-Fit-Pass durch viele Schluchten und Tafelberge von 4.200 m runter auf 1.200 m und dann wieder hoch. Die Straße ist furchtbar… Schotterstraße, Staub und viele Baustellen. Hier gibt es auch keine Möglichkeiten wild zu campen, da man immer der Passstraße folgt. Als wir bei Dämmerung endlich ein kleines Dorf erreichen übernachten wir in Maitesebry im Hof eines „Hotels“, da wildcampen immer einen Massenmenschenauflauf bedeudet. Wir vereinbaren eine kleine Summe um dort stehen zu können. Doch leider werden die Toiletten und Duschen nachts zugesperrt… was ist das wieder für ein Blödsinn? Manche Leute denken nicht nach, dass man vielleicht- und gerade besonders wenn es nachts regnet – doch mal aufs Toilette gehen muss… und eine Dusche nach 4 Tagen wandern wäre wirklich ein Traum. Doch es soll ein Traum bleiben und wir fallen absolut dreckig ins Bett. Selbst Händewaschen lassen wir bleiben, denn der einzige Wassereimer den wir finden, birgt Wasser in dem Würmer schwimmen.

Maitsebry nach Axum und weiter nach Mekele
Am nächsten Morgen als wir sehr früh aufbrechen wollen, will uns die „blöde Henne“ nicht fahren lassen. Sie will auf einmal das doppelte als vereinbart. Für was bitte? Wir waren nur in ihrem Hof gestanden und konnten nicht mal die Toiletten oder die Dusche benutzen. Wir haben nur 8 Stunden geschlafen!!!! Die sind so unverschämt geldgierig, das macht uns echt wütend. Jesper ist außer sich, als sie das Metallgartentor nicht öffnen will und fährt kurzerhand mit unserem DJ auf das Tor zu, lässt den Motor richtig aufjaulen und bläst Abgase in die offen stehende Haustür! Doch die will hartnäckig den doppelten Betrag. Tanja findet im Restaurant nebenan einen netten Mann, mit dem wir gestern Abend total verdreckt bei Stromausfall im Dunkeln gegessen hatten, der uns übersetzen und vermitteln hilft, da diese blöde Henne nicht gut englisch kann. Wir geben nicht nach (schließlich ist selbst 100 Birr für keine Leistung zuviel)… sie gibt nicht nach… Jesper lässt den Motor vorm Tor noch mehr aufjaulen... unser neu gewonnener Freund kann nach langem Diskutieren erreichen, dass die verbitterte Schnäpfe endlich das Tor aufsperrt und dann nix wie weg. Jetzt freut es uns fast, dass wir ihr nachts - als wir beim nächtlichen Regen ein dringendes Bedürfnis hatten und die Toiletten aber abgesperrt waren – in den Hof gepinkelt haben. ;-)
Für 141 km schlechte Rumpelpiste durch roten Sand und Stein brauchen wir 4 Stunden nach Axum. Wir überqueren den Fluss Tekezze, passieren etliche Baustellen und Umfahrungen und erst kurz vor Axum wird die Straße besser. Wir sehen wieder viele Menschen laufend am Straßenrand. Hier im Norden werden die Lasten wie Holz, Reissäcke oder Wasserkanister nicht mehr auf dem Kopf getragen, sondern auf dem Rücken das mit einem Tuch über die Stirn vorne gehalten wird. Die TIgray-Frauen haben seltsame geflochtene Zöpfe, oben am Kopf enganliegend und ab dem Nacken wie ein Busch ganz kraus auseinanderfallen. Auch hier tragen alle Männer Stöcke und Frauen Regenschirme als Sonnenschutz. In Axum angekommen entschließen wir uns ein Hotel zu nehmen (Afrika Hotel, 150 Birr pro Zimmer mit warmer Dusche), da Jesper Fieber hat und es ihm seit gestern nicht gut geht. Somit legen wir einen DVD-Nachmittag und -Abend ein und auch den nächsten Tag starten wir ruhig.

Jesper schläft und erholt sich während Tanja sich am Sonntag (05.03.) in Axum den Stelenpark anschaut. Wir haben nun schon so viele antike Stätten und Stelen gesehen, dass es sie nicht wirklich umhaut. Tanja entdeckt auf den Weg dorthin ein österr. Auto und spricht die beiden Insassen an. Alex und Magdi fahren mit ihrem alten Ford Transit auch in den Süden, nur haben die beiden bisl mehr Zeit wie wir. Wir quatschen und stellen fest, dass wir alle in die Danakil-Depression wollen und beschließen uns zusammen zuschließen, um Kosten zu sparen, denn organisierte Touren für 4 Tage kosten 500 USD pro Person und dass sprengt unsere Budgets. Wir tauschen Adressen aus und wollen uns in Wukro oder Mekele treffen und Weiteres besprechen, wenn wir wissen, wie es Jesper geht und wann er wieder fit ist. Doch leider verliert Tanja den Zettel der beiden und der Wind trägt ihn davon… doch alles wird sich ergeben…. Im Hotel fragt Tanja den Manager, der auch Touren organisiert nach den Kosten und den Ablauf für einen Besuch in der Danakil-Depression (zum Vulkan Erta Ale) mit unseren neuen österreichischen Bekannten. Die Kosten sind uns zu hoch, aber jetzt wissen wir wenigstens die Route, den Ablauf und Details der Tour, den in unseren Reiseführern gibt es so gut wie nichts darüber. Obwohl Jesper sich nicht gut fühlt, wollen wir doch noch weiter nach Mekele fahren (256 km in 6 Stunden). Wir campen im Hof des Hilltop Hotels (160 Birr), essen noch einen Happen und fallen hundemüde ins Dachzelt.

Am nächsten Morgen (Mo. 06.03.) werden wir vom Hotelpagen geweckt, der behauptet an der Rezeption wäre Besuch für uns da… Wer soll das sein? Ich teile ihm mit, dass die Leute gern zu unserem Auto kommen können und wenig später ist eine Frau einer Reiseagentur vor unserem Zelt. Sie hat von ihrem Kollegen in Axum gehört, dass wir gern in die Danakil mit unserem österreichischen Freunden möchten und offeriert uns gleich ein Angebot mit ihrer Agentur. Das ist ja echt lustig! Die Buschtrommeln hier funktionieren ja unglaublich gut.. auch über 250 km hinaus werden wir in nem Hotelgarten ausfindig gemacht. Wir teilen ihr mit, dass wir die beiden anderen nicht erreichen können, da die Telefonnummer verloren gegangen ist und wir noch nicht wissen ob und wann wir überhaupt in die Danakil fahren möchten, da einer krank ist. Jesper fühlt sich immer noch nicht wohl; somit legen wir noch einen Ruhetag ein. Wir wechseln in das Hotel Axum, um ein Zimmer mit warmer Dusche und TV für ihn finden.  Mekele – die Hauptstadt der Region TIgray - ist nach vielen Dörfern nun die erste größere Stadt, die sich auch Stadt nennen kann. Es gibt Restaurants, Tankstellen, Ärzte und Läden; ja sogar Straßenlaternen! ;-)  Uns ist Jespers Fieber nicht geheuer und beschließen doch in eines der Krankenhäuser zu gehen um das überprüfen zu lassen. Ein Krankenhaus in Äthiopien ist nicht wirklich die erste Wahl aber Tanja achtet penibel genau bei der Blutabnahme von Jesper, dass alles steril abläuft. Hier weiß man wirklich nicht, was man sich im anderen Fall sonst holen würde… Der Malaria-Test ist glücklicherweise negativ, doch laut Arzt hat Jesper Typhus. Wir fragen sicherheitshalber mal nach, ob das nicht auch einfach Antikörper von unserer letzten Impfung gegen Typhus sein könnten… und da wird er dann unsicher und gibt uns recht. Erleichtert, dass Jesper wohl nur eine Grippe oder einen Infekt hat schlendern wir noch etwas durch Mekele um evtl. Alex und Magdi zu treffen. In einer 220.000 Einwohner großen Stadt wohl recht unwahrscheinlich. ;-) Dennoch erkundigen wir uns beim Tourist-Office wie wir zu viert ohne Agentur unser Danakil-Vorhaben umsetzten könnten. Am Abend gehen wir, da Jesper noch schwach ist, nur ins Hotelrestaurant. Und wer sitzt da in der Aula?!?!? Magdi und Alex aus Axum. J Sie haben wohl ganz Mekele nach uns abgesucht und sind fündig geworden. Das ist doch echt ein Riesenzufall. Wir gehen gleich gemeinsam essen und beschließen zusammen weiter zu reisen!  Und somit startet eine super lustige abenteuereiche Woche mit den beiden.

Und hier mal der Bericht der letzten Woche aus der Sicht unserer zwei Wegbegleiter Magdi und Alex:
Zitat deren Homepage http://am-fernweh.jimdo.com/:

 „Himmel und Hölle Team Mekele-Addis Abeba 08.-16.03.2011
Da Tanja und Jesper nicht auf unsere Anrufe und SMS antworteten, nahmen wir an, dass ihr Handy nicht funktionierte, und wir hofften einfach ihnen in der 220.000 Einwohner-Stadt Mekele über den Weg zu laufen. Als ich gerade in unserem Bus auf den Reifen-suchenden Alex wartete, steckte plötzlich eine Äthiopierin den Kopf zur Tür herein, und fragte ob wir aus Österreich sind, und deutsche Freunde haben, die wir hier in Mekele treffen wollen, und mit ihnen gemeinsam zum Erta Ale fahren wollen. Ganz verwundert aber hoffnungsvoll bejahte ich all ihre Fragen. Die junge Frau sprach von einer geführten Tour die Tanja und Jesper mit uns gemeinsam machen wollten, und klärte mich gleich eifrig über Preis und sonstige Details auf, und nachdem ich ihr lange zugehört hatte, konnte ich nun endlich rausfinden, in welchem Hotel sich die beiden aufhielten. Alex und ich machten uns sofort auf zum Hilltop Hotel, um dort zu erfahren, dass Jesper und Tanja das Hotel heute morgen verlassen hatten. Ahnungslos wie zuvor, nur durch die Infos der Äthiopierin noch ein bisschen mehr verwirrt, machten wir uns weiter auf die Suche nach den beiden.
Am Abend entdeckten wir endlich einen grünen Toyota Landcruiser mit Münchner Nummernschild vor einem Hotel und kurze Zeit später saßen wir auch schon mit Jesper und Tanja im Restaurant. Schnell wurden alle Ungereimtheiten geklärt: Tanja hat durch einen Windstoß in Axum, den Zettel mit unserer Nr. verloren, und ihr Handy funktioniert wirklich nicht; Tanja hat bei einem Hotel in Axum um Infos für unsere Tour gefragt, und dort erwähnt, die Tour mit 2 Österreichern machen zu wollen. Daraufhin wurde Tanja in Mekele schon früh morgens von der jungen Äthiopierin geweckt, die von einer Reiseagentur war, und schon von allem Bescheid wusste. Und zu guter Letzt hat diese junge Dame auch noch uns gefunden. (also wenn auch hier in Äthiopien sonst nichts funktioniert, wenn es darum geht Geld von Touristen zu bekommen, funktionieren die Buschtrommeln ganz gut!!)
Am nächsten Morgen ging unsere gemeinsame Tour los. Wir, gemeinsam mit unseren Autos (DJ und Sheego) waren das perfekte Team! Sheego diente als Küche, und Mitfahrgelegenheit für sämtliche Guids und Scouts, und DJ war das perfekte Geländefahrzeug! Und wenn ich perfekt sage, dann meine ich perfekt, aber dass werdet ihr später schon noch merken.... Bevor wir uns also in die Danakil-Depression begaben, (wo sich der Vulkan befindet) welche bis zu 150m unter Meeresspiegel liegt, begaben wir uns nochmals ein Stückchen in die Höhe, und sahen uns eine Felsenkirche an, dessen Aufstieg nicht ganz ungefährlich war. Der Aufstieg zur Felsenkirche Yamata Guh in der Nähe von Megab ist wirklich halsbrecherisch. Man muss an einer Felswand ungesichert hinaufklettern und dann auch wieder denselben Weg heil runter kommen. Dafür durften wir uns dann typisch äthiopische Kirchenmalereien ansehen (3 der 12 Apostel mussten auf einen anderen Platz gemalt werden, da sich der Künstler den Platz zuvor nicht richtig eingeteilt hatte), und wir bemerkten, dass nicht nur die normale Bevölkerung durch Entwicklungshilfe und Tourismus gelernt hat, die Hände aufzuhalten, und „Give me“ zu schreien, sondern auch die Priester verlangen neben dem für äthiopische Verhältnisse nicht billigen Eintritt noch nach sehr hohem Trinkgeld.
Am nächsten Morgen gings dann auf in die Danakil-Wüste, die von den Afar bewohnt wird. Natürlich hat auch dieses Volk bemerkt, dass man mit Tourismus viel Geld machen kann, und so muss man schon beim Einreisen in ihr Gebiet Eintritt zahlen und 1 lokalen Guide (alter Mann, der kein Wort englisch kann, und mit ein bisschen Glück die Gegend ein wenig kennen könnte) und 2 lokale Scouts (mehr oder weniger gepflegte jüngere Männer mit einer sehr alten mit ein bisschen Glück funktionierenden Waffe) mitnehmen. Natürlich kann hier auch niemand englisch, sodass man auch noch einen Übersetzer bezahlen muss. Da wir kein Busunternehmen aufmachen wollten, versuchten wir zu verhandeln. Schlussendlich mussten wir nur die 2 Scouts mitnehmen, den Guide jedoch sehr wohl für 3 Tage bezahlen. Am 1. Tag schafften wir es nur bis zum Camp Hamed Ela. Natürlich wird auch hier kräftig abgesahnt, nach Dusche od. WC kann man hier jedoch lange suchen.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum 1. Vulkan Dallol, in dessen Krater sich ein blubbernder schwefelhaltiger Salzsee befindet. Da es einige Tage zuvor geregnet hatte, hatte Sheego ganz schön mit dem Schlamm und dem nassen Sand zu kämpfen und wir blieben mitten im größten Schlammloch stecken. Allein wären wir da kaum raus gekommen, oder hätten zumindest warten müssen bis alles wieder trocken ist. Nun war DJ gefragt, welcher gemeinsam mit dem Piloten Jesper den größten Spaß an dieser Schlammschlacht hatte, und noch ein paar Extra-Runden drehte. Mithilfe des Abschleppseils waren wir dann alle sehr schnell am Fuße des Dallols angekommen, und Sheego wusste nun wie sich Schlittschuhlaufen anfühlen muss. Auch unsere Scouts sahen bei der Ankunft ein wenig mitgenommen aus, was jedoch nicht nur an der abenteuerlichen Schlammfahrt lag: Normalerweise müsste man zum Dallol, da er sehr nahe an der eriträischen Grenze liegt, nicht die normalen Polizeiscouts mitnehmen, sondern 4 Militär-Scouts, die man natürlich auch wieder extra bezahlen muss. Um das zu umgehen, verschwiegen wir einfach unser Ziel. Am Anfang waren die Jungs ganz schön aufgebracht und waren total verängstigt. Sie dachten wohl wir hauen mit ihnen nach Eritrea ba, als wir dann jedoch angekommen waren, waren sie ziemlich glücklich, da sie auch zum 1. Mal dieses wunderbare Naturschauspiel betrachten durften. Und es war unglaublich schön. So viele Farben, überall blubberts, es riecht nach Schwefel, und man wird bewusst, dass unsere Erde in ihrem Inneren sehr aktiv ist. Da wir uns ca. 100-150m unter dem Meeresspiegel befinden, hat es hier auch 40-45 Grad im Schatten.
Als wir uns wieder auf den Weg zu unseren Autos machten, trafen wir auf andere Touristen, die natürlich in Begleitung der Militär-Scouts waren, und es gab eine heftige Auseinandersetzung zwischen unseren und deren Scouts. Während unsere Scouts ihre Unschuld erklärten, wurde uns zum ca. 1000. Mal eindrücklich von einem Franzosen erklärt, dass wir die Strecke zum Vulkan Erta Ale nicht mit unserem Sheego schaffen können, und dass die Strecke bis hierher ein Kinderspiel war. Ich weiß nicht warum wir den 999 Warnungen zuvor nicht zuhörten, und der 1000 plötzlich ein Ohr und Glauben schenkten, aber wir beschlossen Sheego beim Camp stehen zu lassen, und alle bei DJ einzusteigen. Das hieß jedoch auch sämtliche Kisten aus DJ raus zu bauen und in Sheego rein schlichten. Da wir trotzdem nicht viel Platz im DJ hatten schafften wir es, nur 1 Scout mitnehmen zu müssen, der andere wurde natürlich fürs nichts tun auch bezahlt.
Bevor wir zum Erta Ale fahren konnten, mussten wir noch zu viert aufmaschieren und uns wie auf einer Anklagebank vor 10 Militärs unsere Standpauke abholen und uns natürlich bei den Afar entschuldigen. Zu meiner Verwunderung mussten wir jedoch ausnahmsweise nicht bezahlen, und so hatten wir uns durch unseren Schwindel 800 Birr (also 40€) gespart! Wir schlossen uns einer geführten Touristengruppe an, da es nicht immer einfach ist, die Offroad-Pisten zu finden und schon wenige Zeit später waren wir alle sehr froh, unseren Sheego nicht mitgenommen zu haben. DJ kämpfte sich durch die rutschigsten Schlammpisten, durch sehr sehr weiche Sanddünen und zu guter letzt ein Stückchen den Erta Ale hoch, auf einer Piste mit sehr spitzem Lavagestein richtige Lava-Treppen hoch. Auf Alex´ Frage welche Einstellungen od. Vorkehrungen (Räder sperren, Luft ablassen,...) Jesper bei DJ vornehmen muss, um durch solche Pisten zu kommen, antwortete Jesper mit:“Bis jetzt noch gar keine!“ DJ fuhr durch diese laut Reiseführer schwersten Pisten Afrikas so als würde er auf Asphaltstraßen fahren.
Auf dem Weg zum Vulcan wurde bei einigen kleinen Dörfern gestoppt, die auch alle vom Tourismus erzogen werden. Kinder posieren und werden schön hergerichtet, damit die Touristen (Italiener und Russen) schöne Fotos mit nach Hause nehmen können, und dafür gibt’s nachher für jedes Kind einen Kugelschreiber.  Da werden wir uns nicht anschließen.
Bei einem Dorf kurz vorm Vulkan wurde nochmal kräftig abkassiert. Wieder mussten wir 4 Militär-Scouts bezahlen, von denen wir jedoch nur einen zu Gesicht bekamen und noch einige andere unerklärliche Beträge wurden verlangt! (es gab sogar eine Müllsteuer!)
Bei Dämmerung gings dann los, der Aufstieg zum Vulcan Erta Ale mit einem aktiven Lavasee. Nicht ganz 3 Stunden wanderten wir in der Dunkelheit mit Stirnlampen, einem Guide und bei mind. 30 Grad den Vulcan, der angeblich vor kurzem mal übergeschwappt ist, hoch. Schon von weitem konnte man in der Nacht den rotglühenden Vulkan sehen. Der Anblick oben am Krater war gigantisch. Mit großem Respekt und nicht ganz sicher ob dich hier in Äthiopien irgendjemand warnen würde falls der Vulkan ausbricht, starrten wir in den sprudelnden Lavasee. Wir verbrachten die ganze Nacht am Krater. Es war zwar durch den Wind sehr kalt, dafür hatte man beim schlafen eine „Fußbodenheizung“. An Schlafen war kaum zu denken, da die Angst, dass immer wieder in die Luft spritzende Lava doch mal in unsere Richtung fliegen könnte zu groß war. Als wir um 5 Uhr morgens wieder absteigen wollten, um es noch am selben Tag aus Danakil zu schaffen, mussten wir erst lange mit unseren Faulpelzen diskutieren. Die Scouts meinten einfach es wär ihnen zu früh, und legten sich erst mal wieder in ihr Bettchen. Um halb 6 hatten wir es dann doch geschafft los zu marschieren und schafften es auch am selben Tag noch aus dem Gebiet der Afar zu kommen.
Da mit Tanja und Jesper alles so toll geklappt hat, beschlossen wir noch gemeinsam weiter nach Lalibella zu den berühmten Kirchen zu reisen. Es war ja geplant auf der Asphaltstraße und bis es dunkel wird zu fahren... Da aber Jesper und Tanja nicht so viel Zeit wie wir haben, und nicht zuletzt auch wegen uns länger als geplant im Norden Äthiopiens blieben, beschlossen wir zum 1. Mal bei Nacht zu fahren. Dann kam da noch plötzlich dieses Schild am Straßenrand, welches auf eine Schotterstraße, die nach Lalibella führen soll zeigte. Wir dachten nur, wenn in Äthiopien schon mal ein Wegweiser aufgestellt ist, können wir´s ja versuchen. Doch es war eine mittlere Katastrophe. Aus Schotter wurde Schlamm, und wir fuhren über einen Pass der bis zu 3550 Meter hoch war. Sheego kämpfte sich brav die steilen Pisten hoch bis es bei einem sehr sehr steilem Stückchen einfach nicht mehr ging. Wieder musste DJ uns retten. Diesmal wurden alle 4 Reifen gesperrt, und die Monstermaschine mit dem 4,2 Liter Hubraum und 167PS zog aus dem Stand, bei Nacht, Regen, Schlamm und einer gewaltigen Steigung unseren 3-Tonnen-Sheego den Berg hinauf. Auf der ganzen Reise hatte ich noch nicht so viel Angst wie in dieser Nacht! Das Abschleppseil wurde nicht abgehenkt und links und rechts von dieser Schlammpiste gings einige Meter bergab und es gab schon einige Passagen wo wir nur noch hinter DJ her rutschten. Gott sei Dank ging alles Gut, und das wurde dann auch noch bis 5 Uhr morgens mit Tanja und Jesper in unserem Sheego mit Rhaki und Ouso gefeiert.
Alex und ich erhielten wieder einen sehr deutlichen Beweis, dass wir nicht trinkfest sind, sahen uns am nächsten Morgen aber trotzdem sehr tapfer die wirklich faszinierenden Monolithenkirchen Lalibellas an. Ende des 12. Jahrhunderts unter King Lalibella, der ein 2. Jerusalem kreieren wollte, wurden diese Kirchen mit Hammer und Meißel aus jeweils nur 1 Felsen gehauen.
Nachdem wir nun mit Tanja und Jesper zuerst hinauf zum Himmelsfenster(Felsenkirchen) und danach hinab zum Tor der Hölle (Erta Ale) stiegen, musste sich das Himmel-und-Hölle-Team leider in Lalibella verabschieden, und während Alex und ich uns noch in Lalibella von der letzten Nacht erholten, machten sich Jesper und Tanja schon auf den Weg nach Addis. Am nächsten Tag gings auch für uns Richtung Addis weiter. Obwohl wir eine andere Straße als am Tag zuvor fuhren, war es auch hier sehr schlammig, und es war schon ein komisches Gefühl keinen DJ mehr im Rücken zu haben.
Viele Liebe Grüße aus Addis!
Magdi und Alex“

Das war nun die Version von Magdi und Alex, der wir nicht viel hinzuzufügen haben. Jesper ging es am Tag nach dem Felskirchenbesuch wieder besser. Dafür hat aber Tanja auf der Fahrt zum Vulkan Dallol sich leider mit einem eingestaubten Handtuch das Gesicht abtrocknen wollen und Sand ins Auge bekommen. Es haben sich wohl Sandkörner hinters Auge verirrt und somit hat es sich entzündet. Da wir aber weit von der Zivilisation entfernt waren, wurde 3 Tage mit Kamillenbad getränkt und nach langem Leiden, haben sich die Sandkörner dann endlich nach ein paar Tagen herausgeeitert und das Auge ist wieder funktionstüchtig! J
nach unserer Danakil-Tour haben wir unseren Autos eine ausgiebige Waschung gegönnt… und wie auf den Bilder zu sehen ist, haben nicht nur die Autos nach ein paar Tagen Schmutz, Staub und Salz eine Dusche gebraucht! ;-)
Die Abschleppaktionen vom Sheego haben unserem DJ bis auf den Ausfall unserer Fernlichter und Zusatzscheinwerfer nichts anhaben können und wir sind heilfroh so ein gutes Auto zu haben!
J
Bis zum nächsten Äthiopienbericht!
Eure Tanja und Euer Jesper

Samstag, 26. März 2011

Sudan

Nordafrika – Sudan
 11 Tage Sudan, 50.-60. Reisetag,  15.-25.02.2011
Wadi Halfa
Nach einem ganzen Tag Fahrt über den Nasser-Stausee kommen wir Dienstag vormittags (15.02.) im Sudan in Wadi Halfa (+2 Std zu MEZ; Währung: 1 € = 4,23 SDG; 1 USD = 3,20 SDG) an und es ist merklich wärmer als noch in Ägypten (tagsüber 35-40°C). Das erste Mal, dass die Sonne richtig herunter brennt und wir, ohne uns zu bewegen, das Schwitzen anfangen.J Unsere Personenfähre legt an und nach chaotischen Abladen und Papierkram können wir kurz vor 13 Uhr die Fähre verlassen, um noch eine chaotischere Einreise beim Zoll zu erleben. Wir lernen Mazur kennen, ohne den hier keiner sein Auto von der PKW-Fähre bekommt. Er erledigt den ganzen Papierkram mit dem Carnet, der Registrierung und das Abladen, wenn die Autofähre mit unserem DJ hoffentlich ankommt (für 40 USD 1 PKW und 2 Personen, zzgl. Aliens Registration pro Person 42 USD, Mazur benötigt Passfotos, Kopien der Pässe, Pässe und Carnet). Da voraussichtlich bis zum nächsten Tag Warten aufs Auto angesagt ist, mischen wir uns „unters Volk“ und erleben Wadi Halfa. Ein kleines Nest mit vielen staubigen Sandstraßen, farbenfroh gekleidete „Teefrauen“, ein paar Läden – viel gibt es hier nicht. Wir besteigen zusammen mit den anderen vieren (Andrew, Frank, Louise und Lorraine) den höchsten Berg der „Stadt“ – dauert ganze 10 Minuten ;-) genießen den Ausblick und Einblick in das städtische Treiben, die „Jungs“ spielen dann am Stadtrand mit den Kindern Fußball, anschließend springen wir - um zurück zur Stadt zu kommen - auf ein „Eseltaxi“ (ein Esel mit Hänger, auf dem Fisch transportiert wird – wir stinken danach wie die Hölle, aber es hat richtig Spaß gemacht, zumal ständig einer von uns vieren, beim holprigen Galoppieren vom Wagen geflogen ist und während des Fahrens wieder aufspringen musste), essen abends zu sechst mit den Händen sensationell leckeren frischen Fisch für stolze 1,50 EUR, trinken Tee, unterhalten uns mit Sudanesen und treffen Omer, den wir schon bei Suez getroffen hatten wieder. Wir lassen uns im etwas besseren Hotel Kilopatra (15 SDG pro Person) nieder – wobei keines der Hotels wirklich gut ist und den Namen Hotel verdient. ;-)
Am folgenden Tag (Mittwoch) kommt die Fähre mit unseren Fahrzeugen schon an! Juhe!!! Manchmal kann es wohl auch Donnerstag werden. Doch hier läuft alles nach dem Motto IBM (insha’alla – so Gott will, Bokra – morgen oder irgendwann in der Zukunft, und Malesh – Sorry, Entschuldigung). Die Zeit läuft einfach ein gutes bisschen langsamer. Nachdem wir alle Falafel gefrühstückt haben, gehen die drei Männer mit Mazur in den Hafen, um die Autos in Empfang zu nehmen, wohingegen die Frauen sich die Zeit mit Teetrinken und Kartenspielen vertreiben. Das Abladen des Pontons stellt sich als kleines Problem heraus, denn dieser ist so sehr beladen, dass er viel zu tief im Wasser liegt und nicht daran zu denken wäre, unsere Fahrzeuge herauszufahren. Somit musste erst die ganze Ladung abgeladen werden um an Höhe zu gewinnen. Hier dauert auch das „normale (ineffektive)  Arbeiten“ etwas länger und somit gelingt es uns doch nach 6 Stunden die 4 Fahrzeuge von der Fähre zu bekommen. Maximal gehen wohl nur 5 PKWs auf die Fähre…gut dass derzeit nicht viele Traveller unterwegs sind und wir somit ein Plätzchen bekommen haben. J
Wir verstehen uns mit den vier „Engländern bzw. Schotten“ gut und beschließen alle noch ein bisschen länger zusammen reisen. Am späten Nachmittag können wir dann mit frischen Lebensmitteln bepackt endlich weiterfahren und suchen uns dann 37 km hinter Wadi Halfa mitten in der Wüste ein tolles Plätzchen und kochen gemeinsam zu sechst ein 3-Gänge-Menü bei Vollmond und milden abendlichen Temperaturen (25°C nachts)! Ein Traum! Endlich geht die Sonne auch später unter (19 Uhr) und dafür später auf… so sind unsere Tage am Abend endlich wieder länger!

Durch die Wüste entlang des Nils nach Dongola bis nach Karima/Jebel Barkal

Wir haben am nächsten Tag (Do.17.02) ein lange Fahrt vor uns und daher ist um 6 Uhr aufstehen angesagt, gemeinsam frühstücken und so fahren wir bei Sonnenschein mit unseren 3 Fahrzeugen entlang des Niltals durch die leicht hügelige sandige Landschaft nach Dongola. (Tagesetappe Wadi Halfa über Dongola nach Karima >578 km in 5,5 Std.) Die Straße ist ausgezeichnet (insg. 900 km geteert) – wurde von den Chinesen wohl erst fertiggestellt. Nach genau 4 Stunden kommen wir im staubigen aber äußerst hübschen Dongola an. Geteerte Straßen gehen spätestens jetzt in staubige Pfade über. Der Einkauf ist abenteuerlich, die Leute sehr freundlich, die Stadt unglaublich ursprünglich, einfach und das Alltagsleben scheint wie 100 Jahre nach hinten versetzt. Wir genießen wie häufig Falafel und Tee und beobachten das Treiben um uns herum.. überall Esel, Ziegen, Staub, viele Leute, Handwerksgeschäfte.. (die GPS-Tracks4Africa und Reise-Knowhow Karten könnt ihr alle vergessen – fast alle Straßen sind falsch oder nicht vorhanden – mehrfach durchfragen ist deutlich besser. Dabei sollte man mindestens 3 Leute fragen und die Antworten sollten übereinstimmen, denn die Sudanesen sind zu stolz um zu sagen, dass sie es nicht wissen und erzählen einem einfach irgendwas, nur um zu helfen).
Die Hauptverbindungsstraßen sind so gut, dass wir noch am selben Tag 1,5 Std. weiter durch die Nubische Wüste nach Karima zum Berg „Jebel Barkal“ fahren. Früher glaubte man dass der Berg das Zuhause des Gottes Amun war, der Thron zweier Länder: Ägypten und Nubien. Wir besteigen alle den Berg über die Nord-West-Seite und schaffen es noch zum Sonnenuntergang am Gipfel anzukommen. Der Rundumblick von dort auf den Nil, die Stadt Karima, den Ruinen des Amun- und Mut-Tempels und den königlichen Friedhof mit ca. 20 Pyramiden ist wirklich fantastisch. Auf einer Seite des Berges kann man über Dünen nach unten driften – ein Riesenspaß in Megaschritten den steilen Hang im weichen roten Sand zu gleiten!!! Wir campen wieder mit den Schotten mitten zwischen den Pyramiden – ein traumhafter idyllischer Platz um wild zu campen -  und kochen wieder über offenem Feuer Fleisch, Gemüse und abschließend leckere Schokobananen aus dem Feuer.

Karima/Jebel Barkal mit Stopp in Ed Damer zu den Meroe Pyramiden
Am 4.Tag im Sudan (Fr, 18.02.) geht’s gemeinsam weiter durch die Bayuda-Wüste – ebenfalls auf geteerter Straße. Rundherum nichts außer Wüste, hin und wieder sieht man mal einen Baum oder eine Viehherde. Nach 3 Std. Fahrt machen wir Stopp in der Marktstadt Ed Damer, um unsere Lebensmittel und Wasservorräte wieder aufzustocken. Da heute Freitag ist und somit fast alle in der Moschee sitzen, sind nur wenige Marktbuden besetzt. Dieser Markt war wirklich sehenswert… all das Fleisch hängend mit tausenden Fliegen daran, die alten Gemüsewaagen, wie liebevoll das Obst aufeinandergestapelt wird und die zerfetzten Stofffetzen über den Buden, die vor Sonne und Sand schützen sollen. Tanja und Andrew fragen einen Sudanesen, ob sie Fotos von seinem Stand machen dürfen… innerhalb weniger Minuten sind sie von Sudanesen umringt, die sich fotografieren lassen wollen. Die haben richtig Spaß dran sich ablichten zu lassen und zu posieren… und sie erwarten auch wirklich nichts dafür…. wollen das Bild sehen und lachen mit uns. Es ist scheißeheiß, wir halten uns aber dennoch schon seit Wochen an die „Kleidungsordnung“ arabischer Länder… immer lange Hose und lange Hemden.
Am Nachmittag kommen wir nach 386 km dann bei den Meroe Pyramiden (Royal City) an und folgen einem Tipp von anderen Reisenden, an der Touristpolice vorbei, zwischen den Bergen mit Blick auf die Pyramiden zu kampieren (N16°56.030‘ E033°45.242‘). Das war der bisher beste Wildcampplatz überhaupt. Jesper und Andrew reparieren ein paar Kleinigkeiten an den Autos (unsere vordere Dachträgerplatte muss mit den Boxen fester verschraubt werden), während die Mädls kochen. Es ist richtig heiß (35-40°C), aber es weht ein starker Wind, der einem wie ein Riesenfön ins Gesicht bläst. Keine Moskitos, milde Nacht (26°C), fantastischer Ausblick auf die Pyramiden und so essen wir wieder zu sechst und genießen das Leben und die Ruhe hier allein mitten in der Wüste!
Bei Rührei und Fruchtsalat am nächsten Morgen beschließen wir, hier noch einen Tag zu bleiben und zu relaxen.  Die anderen vier müssen aber weiter, da ihre Kilimandjaro-Besteigung schon fest geplant ist und sie bisl Zeitdruck haben.  Wir verabschieden uns, doch wir werden uns bestimmt in Malawi oder Tansania wiedersehen. An unserem Ruhetag erledigen wir bei 37°C noch viele Kleinigkeiten, wie Moskitonetz flicken, Auto prüfen und auffüllen, aufräumen und dann gönnen wir uns eine Siesta und runden den Tag mit unserem zweiten bayrischen Menü auf dieser Reise ab – es gibt Würstl mit Kraut und Kartoffelbrei, Brezeln und Weißbier! Herrlich!

Meroe Pyramiden nach Khartoum
Nach Sonnenaufgang (So, 20.02.) schauen wir uns an unserem 6.Tag im Sudan die Meroe Pyramiden doch mal aus der Nähe an (Eintritt 20 SDG pro Person). Wir sind wieder die einzigen Besucher und können daher eine tolle Stimmung genießen. Beeindruckend wie die Pyramiden zwischen all den Dünen liegen, der Wind Muster in die Dünen bläst und die Pyramiden tolle Schatten schmeißen. Es ist wieder 37°C heiß und starker Wind treibt uns in jede Ritze Sand. Ständig knirscht es zwischen den Zähnen, in den Ohren sammelt sich Sand und ohne Sonnenbrille reibt man sich ständig Staub aus den Augen.
Wir fahren danach 262 km in gut 3 Stunden über die gute Teerstraße durch die Wüste Richtung Shendi. Die Straße ist stark befahren, vor allem von LKWs und überall am Straßenrand liegen zerfetzte Reifen. Es gibt keine 5 Meter ohne Gummiteile. Zwischendurch liegen Tierkadaver an der Straße, die ersten Tukuls (Rundhütten) und öffentliche Wasserkalabassen sind zu sehen und als wir endlose Felder mit Plastiktüten und Müll sehen, wissen wir: wir sind nun auf dem Weg in eine Großstadt – nach Khartoum. Angekommen in Khartoum schauen wir uns den angeblichen Overlander-Treffpunkt – den Blue Nile Sailing Club an – doch dort ist einfach niemand! Wir fahren zum „neuen“ Treffpunkt vieler Reisender  - ins „Sudan National Camping Reserve“ (N15°31.479‘ E032°34.178‘; 5 SDG pro Person und 5 SDG pro Fahrzeug) im Südosten von Khartoum. Dort sehen wir die Schotten wieder und lernen andere Reisende kennen.

Wir verbringen vier Nächte in Khartoum, da wir einiges an Papierkram erledigen zu haben, wobei wir lernen müssen, dass Bürokratie auch außerhalb Deutschland ganz schön langwierig sein kann. ;-) Wir organisieren so am ersten Tag bei der Äthiopischen Botschaft unser Visa für 2 Monate Äthiopien (man braucht Passfotos und Passkopie, Dauer: innerhalb eines Tages, manchmal auch erst am Folgetag, Kosten 20 USD p.P.), lassen in einer abgefahrenen und abenteuerlichen Toyoto-Werkstatt (Abayezeed Motors N15°35.396‘ E032°31.141‘ > sieht zwar chaotisch aus, aber sind echt fit die Jungs) einen Ölwechsel machen J, wechseln Filter, waschen mal wieder unsere ganzen Klamotten, besorgen Malaria-Notfall-Tabletten und versuchen unser Travelpermit für die Kassala-Region zu bekommen. Angeblich braucht man eine Reisegenehmigung um dort zu reisen. Doch das Vorhaben dieses Papier zu erhalten, stellt sich als schwieriger heraus und vertagen wir auf den Folgetag.  

Wir lernen einen netten Sudanesen kennen, der uns den ganzen Vormittag hilft. Er ist gerade frisch verheiratet,  was man gut an den Henna-Tatoos die seine Hände und Füße schmücken erkennt.  bei Frauen sehen die Henna-Muster ja wirklich hübsch aus, aber bei Männern sieht es nur aus, als seien die Hände komplett in Tinte getaucht ;-) er ist wirklich sehr hilfsbereit und lädt uns in sein Elternhaus ein. Unsere Reise führt uns vom Aliens Departement, zum Human Affairs Departement und und und… Fazit – wir haben immer noch kein Permit. Jeder Beamte schickt uns woanders hin,.. keiner weiß wirklich was… eine ganz heiße Spur bekommen wir noch… angeblich erhalten wir diese Genehmigung recht schnell im Ministry of Tourism. Also auf dahin… doch das Büro ist vor 8 Wochen umgezogen… keiner weiß wohin… das Hinweisschild ist nur in Arabisch geschrieben…aber nach einem Tag Suche sind wir fündig und erhalten kostenlos innerhalb von 15 Minuten unser Fotografie- und Reisegenehmigungspapiere. Geht doch! Hat ja nur 1,5 Tage gedauert  J (Ministry of Tourism > Stadtteil Riyadh) Zudem benötigen wir für die Einreise in Äthiopien ein Empfehlungsschreiben bzw. Garantieschreiben über das Fahrzeug von der Deutschen Botschaft. Das gilt es auch noch zu organisieren und auszudrucken (bekommt man über Email von der Dt. Botschaft in Addis Abeba bei Fr. Werner, Kosten 20  EUR, in Äthiopien in 460 Birr zu zahlen)

Doch neben all den Erledigungen die gemacht werden müssen, haben wir auch viel Freizeitprogramm. Wir fahren zum Mogran Family Park um den Zusammenfluss des Blauen Nils, der im Tana-See in Äthiopien entspringt und des Weißen Nils, der im Viktoriasee entspringt, anzuschauen… doch das ist wirklich nicht spektakulär. Wir besuchen den Souk ed Dinka – ein Markt der in der Nähe eines Toiletten-Second-Hand-Marktes liegt – sensationell. Wer würde von uns schon ein gebrauchtes Klo kaufen? J
hier werden die wildesten Sachen verkauft… unvorstellbar. Wir essen Ful, hocken am Boden und trinken bei einer Teefrau wieder Tee, beobachten das Markttreiben, werden häufig angequatscht, weil wir die einzigen auffallenden Ausländer sind und zu guter letzt schauen wir uns im Stadion ein Fußballspiel an. Wir haben das Glück, dass derzeit der Fußball-Afrika-Cup (African Nations Championship) läuft und – was für ein Zufall – auch im Sudan ausgerichtet wird. J so waren wir zum Halbfinalspiel Tunesien gegen Algerien im Stadion und haben das Fußballspiel mit Elfmeter miterleben dürfen. Wir waren die einzigen „Weißen“ im Stadion und Tanja neben drei „Tee-Frauen“ die einzige Frau! Am Abend haben wir auch noch auf Großleinwand mit vielen Sudanesen das Spiel Sudan gegen Angola mit gefiebert. Leider ist der Sudan im Elfmeterschießen beim letzten Tor raus geflogen und Tunesien wird gegen Angola  im Finale stehen. So schnell wie die enttäuschten Sudanesen hab ich noch nie einen Deutschen nach einem verlorenen Spiel den Fernseher ausschalten sehen…

Am letzten Tag in Khartoum wollen wir uns den größten Kamelmarkt im Sudan anschauen, der am Mittwoch und Sonntag im Westen von Omdurman stattfindet. Wir fragen mal wieder nach dem Weg und lernen den netten Polizisten Abahaua kennen, der gleich bei uns einsteigt und uns den Weg zeigt. Er begleitet uns den ganzen Vormittag. Angekommen am Kamelmarkt sind wir überwältigt. Es ist ein tolles Erlebnis zwischen all den Kamelen, Scheichen, Beduinen und Käufern im Staub der Wüste herumzuschleichen, Kamele angeboten zu bekommen (für Tanja wurden ganze 50 Kamele geboten) und mit einigen Einheimischen zu scherzen. Durch Abahaua bekommen wir auch gleich einen guten Zugang zu Einheimischen, können die Aussicht vom Rücken eines Kamels genießen und tolle Fotos schießen. Anschließend bummeln wir noch durch den weitläufigen Markt in Omdurman, werden dann von unserem Polizisten noch nach Hause eingeladen und wir lernen seine Frau Nesima, sowie die Töchter kennen, die gleich für uns kochen wollen. Die sind alle so lieb und wir lernen wieder viele Wörter arabisch dazu. Sie haben nicht viel, aber zeigen eine Gastfreundlichkeit die uns sehr beeindruckt.  Zurück am Campingplatz findet Jesper einige Jungs zum Fußballspielen. Wir freunden uns mit einem Eritreer an, der uns an einem Abend mit in einen Fußball-Club nimmt. Dort schauen wir mit vielen Männern das Spiel Bayern München gegen Intermailand an. Schon komisch mitten im Sudan gemeinsam mit 100 Sudanesen bei einem Tor für Bayern zu jubeln. Jeder Sudanese kennt bestimmt teilweise mehr Bayernspieler beim Namen als so mancher Münchner.
J
Tanja wird während Jesper Fußball spielt von 20 sudanesischen Studentinnen umzingelt. Sie brennen alle darauf mit ihr zu quatschen und weichen ihr nicht mehr von der Seite. Sie machen derzeit eine Studienreise nach Khartoum und übernachten auch hier auf dem Campingplatz. So kommt es, dass wir abends zusammen mit den Mädls typisch sudanesisch essen und uns Löcher in den Bauch gefragt werden! J


Khartoum über Gedaref nach Kassala und dann über Gedaref nach Gallabat zur sudan./äthiop. Grenze
Nach den ganzen Tagen Khartoum, Papierkram, viel Staub, Hitze, Moskitos und Menschen über Menschen wollen wir nun doch weiter und machen uns am Donnerstag auf nach Kassala. Wir fahren auf der meist gut geteerten Straße durch die Wüste von Khartoum über Wad Medani nach Gedaref (ca. km). Die ebene karge Wüstenlandschaft geht nun in eine Ackerlandschaft mit mehr Bäumen und Büschen über. Riesige Getreidefelder, vereinzelt nur noch einfache Strohhütten, Lehmhäuser-Dörfer der Nomadenstämme Rashaida und Beja (die sehr farbenfroh gekleidet sind), viele Viehherden und Hirten, immer wieder Tierkadaver am Straßenrand, die in der Sonne bestialisch stinken. Es wird immer heißer, die Temperaturen erreichen staubtrockene 45°C. Als wir im Auto fast 50°C erreicht haben, schalten wir doch mal die Klimaanlage an.  ;-) Wir fahren von Gedaref weiter und in der Ferne tauchen die ersten Berge seit langem am Horizont auf. Wir fahren durch viele primitive Vordörfer, die gute Teerstraße bietet nun doch einige Schlaglöcher, sehen viele Windhosen, die noch mehr Staub aufwirbeln und kommen dann nach einer Tagesetappe von 612 km und ca. 8 Std. Fahrzeit in Kassala an. Unsere Reiseerlaubnis für Kassala, für die wir 1,5 Tage Zeit in Khartoum verschwendet haben, brauchen wir bei der Kontrolle doch nicht J na das hat sich ja rentiert! ;-) Hier ist einfach alles willkürlich.
Angeblich soll Kassala ein sehr romantisch schöner Ort am Fuße des Granitgebirges (Taka Mountains), neben der Grenze zu Eritrea sein, wo alle Sudanesen ihre Flitterwochen verbringen. Wir können diesen Charme der Stadt leider nicht spüren … für uns ist Kassala nur heiß, staubig und jeglicher Flair fehlt. Auch das beste Honeymoon-Hotel der Stadt (Hotel Hipton, stolze 83 SDG pro Zimmer pro Nacht) bietet nur getrennte Betten (wer um Gottes Willen will hier seine Flitterwochen verbringen?!?;-)), viele Moskitos und ein äußert ekliges Bad.  Wir sind enttäuscht, denn auch zum Wandern in den Bergen – die wirklich toll aussehen – ist es einfach zu heiß und so beschließen wir noch am Abend bei einem frischen Mangosaft im Internetcafe (das so langsam ist, dass wir 1 Std. benötigen, nur um unsere Emails kurz zu checken und eine Info bekommen, dass unsere Homeoage nach 15 Min. laden doch nicht geöffnet werden kann), dass wir gleich morgen früh weiter zur Grenze nach Äthiopien fahren werden.


Gesagt – getan. Nach 11 Tagen im Sudan fahren wir früher als eigentlich geplant zur äthiopischen Grenze. Wir genießen noch kurz nach 6 Uhr morgens den Sonnenaufgang bei den Taka-Bergen und dann geht’s in 2 Std. von Kassala nach Gedaref. In dieser verträumten Stadt, in der hunderte von alten Vespa-Rollern rumfahren (sind wohl ein Relikt der italienischen Kolonialzeit in Eritrea) frühstücken wir wieder Falafel mit Kichererbsen und Fisch, tanken und müssen unser Botschafts-Empfehlungsschreiben für die Grenze ausdrucken, was sich als gar nicht so leicht herausstellt, in einer Stadt in der alles wie vor 50 Jahren ist und kaum moderne Technik geschweige denn Drucker Einzug erhalten haben. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt kommen wir nach Gallabat, wo wir fast die Grenze übersehen hätten und zu weit gefahren sind. Wir haben uns schon gewundert warum so viele Leute auf die Straße laufen und uns anhalten wollen. J Ein Helfer erklärt uns das Ausreiseprozedere. Bei der Security einschreiben, zum Zoll und das Carnet abstempeln, zur Bank und Geld wechseln, zur Immigration die Pässe ausstempeln und dann geht’s in Äthiopien weiter mit der Einreise.  Wir denken, dass es prinzipiell alles recht schnell geht… wir hatten nur wieder das Glück Freitag Mittag an der Grenze anzukommen… und das in einem arabischen Land… das musste ja etwas länger dauern. ;-) Die Pässe werden recht fix ausgestempelt aber beim Customs/Zoll müssen wir bei drückend heißen 45°C Grad im Schatten geschlagene 1,5 Std. warten, bis der Chef, der unser Carnet stempeln darf, nach der Mittagssiesta und dem Moschee-Besuch endlich eintrudelt (Ausreisekosten: Carnet  10 USD). Unser Auto stand in der Sonne und die Temperaturanzeige zeigt ganze 54°C Innentemperatur an. Wir sind wie erschlagen von der Hitze und trudeln so nach 2 Stunden Ausreiseprozess zur Grenze nach Äthiopien, die aus einer einfachen Schnur mit Plastiktüten dran besteht. In Metemma (gleich hinter der Grenzschnur) geht’s dann mit der Einreise in Äthiopien weiter… dazu im nächsten Blog mehr!  Wir freuen uns nun darauf, ein Land zu sehen, das nicht nur arabisch geprägt ist und wir bei dieser Hitze endlich Shorts und T-Shirts bedenkenlos tragen können… und wir freuen uns schon auf das erste kühle Bier, da im Sudan Alkohol verboten war und wir eine Bestrafung mit Peitschenhieben doch nicht riskieren wollten. J


Fazit Sudan:
Land und Leute:
Die Sudanesen sind sehr aufgeschlossen, freundlich und quatschen gerne mit einem. Oft wird uns zu gewunken und zugelacht; wir werden häufig zum essen oder nach Hause eingeladen. Die Frauen sind im Vergleich zu den vorangegangenen arabischen Ländern weniger streng verhüllt und haben viel farbenfrohere Gewänder an. Nach einigen Tagen Sudan können wir sagen, dass der Puls einfach etwas langsamer schlägt, man braucht viel Geduld und Humor, denn man muss häufig warten, keiner kennt sich aus und alles ist bürokratisch. Wir empfinden häufig dass 10 Leute rumsitzen, wovon dann nur einer arbeitet,… und das nur im Schneckentempo… aber bei der Hitze auch verständlich. ;-) wir wollen gar nicht erst wissen wie drückend heiß es hier erst im Sommer ist…
Der Sudan ist kein Land mit vielen klassischen Touristenattraktionen (außer Meroe). Die Attraktion besteht eher im Land/Landschaft selbst und den Menschen an sich – die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Sudanesen, das weite staubige und teilweise sehr einsame Land, die Wüste und die Ursprünglichkeit in der hier noch gelebt wird. Die Sudanesen fühlen sich gleich verantwortlich für einen und helfen wo sie können, meist indem sie gleich ins Auto zusteigen und den Weg zeigen.
Unsere Ängste, dass Dänen bei der Einreise Schwierigkeiten bekommen, ist völlig unbegründet gewesen. Die meisten Sudanesen wissen gar nichts über Dänemark, geschweige denn etwas über die Mohammed-Karrikaturen.  Somit outet sich Jesper nach einer Woche doch als Däne. Wir haben uns die ganze Zeit im Land sicher gefühlt.


Klima und Vegetation: Wir können nur vom Nordsudan sprechen und hier ist die Landschaft von Wüsten geprägt; ständig ist alles sandig und staubig… vielen kleine sandige Hügel, gemischt mit Steinen und hin und wieder tauchen vereinzelt Bäume auf. Entlang des Nils ist es – wie auch in Ägypten – schön saftig grün und man kommt an vielen kleinen Dörfchen/Oasen vorbei. Dennoch ist das größte Land Afrikas sehr dünn besiedelt und wild campen ist ein Genuss, denn man bleibt allein.
kaum Moskitos in den Wüsten, sondern nur um den Nil herum und in Städten, heiß: tagsüber staubtrocken bei 35-45 Grad im Schatten, nachts frischer aber immer noch angenehm warm
Straßen: Hauptverbindungsstraßen im Norden alle ausgezeichnet geteert, viel Müll und Reifenteile an Stadtränden


Statistik: im Sudan gefahren 2.484 km, gesamt gefahren 11.906 km, Dieselkosten in Sudan 1,67 SDG/Liter (ca.0,40 EUR/Liter).

Eure Dänsch und Euer Jesper